Nichts ist „selbstverständlich“

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Wir nehmen so gerne alles für selbstverständlich. Selbstverständlich werden auch morgen die Dinge so sein, wie wird sie haben wollen, selbstverständlich wird es uns auch morgen „gut“ gehen, selbstverständlich werden wir „genug“ zu essen haben, selbstverständlich wird alles so sein, wie wir es „haben“ wollen.
Ist das so?
Nein, so ist es nicht!
Nichts, überhaupt nichts auf dieser Welt, ist selbstverständlich. Wir können heute sterben, krank werden, plötzlich kann etwas passieren, das unser Leben in völlig neue Bahnen bringt, uns aus der „Spur“ wirft.
Darüber nachdenken wollen wir natürlich nicht, die Überlegungen wären zu schmerzlich, also den Kopf in den Sand stecken, und weiter so wie bisher.
Wer sich aber angewöhnt, einfach NICHTS als selbstverständlich zu betrachten, der lernt das Hier und das Jetzt zu schätzen, der lebt bewußt, achtsam, und damit auch voller Liebe. Zu sich selbst, zu anderen Menschen und Lebewesen, aber auch zu seinen Lebensumständen, zu den Dingen im Umfeld.
Jede Mahlzeit könnte unsere letzte gewesen sein, es ist keinesfalls selbstverständlich, dass unser Karma ein weiteres Essen für uns vorgesehen hat; dass wir auch morgen noch in dieser Erscheinung auf der Erde weilen werden ist eben nicht selbstverständlich.
Buddha lehrte seine Anhänger, in diesem Moment zu leben, nicht in die Vergangenheit, und auch nicht in die Zukunft abzuschweifen, da solch ein Verhalten nur Leiden mit sich bringen würde.
Daraus folgt, dass wir die Lebewesen und Dinge in unserem Umfeld zu schätzen lernen, da diese auch unser Schicksal sind. Es ist unser Karma, genau mit diesem Menschen jetzt zu sprechen, genau dieses Essen heute zu essen, diese Wohnung zu bewohnen, diese oder jene Lebensumstände zu haben. Sehen Sie das Wertvolle in Ihrem Leben, nehmen Sie die Schönheit in Ihrer Umgebung wahr? Und wenn nicht, warum? Nur weil es nicht so ist, wie Sie es sich wünschen?
Buddhismus ist die Lehre vom Überwinden allen Leidens. Wenn wir nur das sehen, was wir sehen wollen, dann werden wir leiden, sogar fürchterlich leiden. Wenn wir aber nichts mehr für selbstverständlich nehmen, und uns an der Situation im Hier und im Jetzt erfreuen, egal wie sie ist, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Denn nach dem großen Lehrer sollen wir nicht werten, nicht in „gut“ oder „schlecht“ einteilen, sondern alles so nehmen, wie es ist. Dann werden wir Ruhe und Frieden finden, ganz von allein, wie selbstverständlich.
Die Philosophie Buddhas nimmt nichts für „selbstverständlich“, zeigt uns ganz andere Prioritäten. Aber das Hier und das Jetzt sind die Konstanten, die uns gewiss sind.
Der Weg ist das Ziel!
 
In allen Angelegenheiten ist es hin und wieder sinnvoll, Dinge mit einem Fragezeichen zu versehen, die wir schon lange für selbstverständlich halten
Bertrand Russell – Britischer Mathematiker und Philosoph – 1872 bis 1970
Schauen Sie genau hin und Sie werden feststellen, dass die Menschen glücklich sind, weil sie dankbar sind. Das Gegenteil von Dankbarkeit ist alles selbstverständlich nehmen
David Steindl-Rast – US-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, spiritueller Lehrer und weltweit tätiger Vortragsreisender – geboren 1926
Es kränkt mich etwas, wie selbstverständlich der Spätsommer leuchtet, auch ohne daß ich guter Laune bin
Sten Nadolny – Deutscher Schriftsteller – geboren 1942
Das Selbstverständliche wird am wenigsten gedacht
Max Weber – Deutscher Soziologe und Jurist – 1864 bis 1920
Ich schätze es sehr, dass meine Leistung mit zunehmendem Alter viel besser ist. Ich nehme es nicht mehr als selbstverständlich an. Ich genieße es wirklich und ich liebe es
Elton John – Britischer Musiker – geboren 1947
In Wahrheit gehört die Geschichte nicht uns, sondern wir gehören ihr. Lange bevor wir uns in der Rückbesinnung selber verstehen, verstehen wir uns auf selbstverständliche Weise in Familie, Gesellschaft und Staat, in denen wir leben. Der Fokus der Subjektivität ist ein Zerrspiegel. Die Selbstbesinnung des Individuums ist nur ein Flackern im geschlossenen Stromkreis des geschichtlichen Lebens. Darum sind die Vorurteile des einzelnen weit mehr als seine Urteile die geschichtliche Wirklichkeit seines Seins
Hans-Georg Gadamer – Deutscher Philosoph – 1900 bis 2002

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