Die rot-braunen Blätter

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In buddhistischen Tempeln müssen die Schüler und angehenden Mönche viele Arbeiten übernehmen, auch in Klöstern sind Lehrjahre keine Herrenjahre.
Eine der Aufgaben in jedem Herbst ist es, das Gelände vom Laub zu reinigen. Da das Kehren sehr eintönig und langweilig ist, reissen sich die jungen Männer selten um diese mühevolle Angelegenheit. Das bunte Herbstlaub auf den Wegen und Gebäuden des Klosters sieht zwar schön und malerisch aus, und wenn die Blätter rascheln zieht ein wohliges Gefühl durch die Besucher, jedoch bei Regen oder Nässe wird das Laub aber ganz schnell rutschig und daher gefährlich.
So traf es an diesem Morgen einen jungen Mann, der erst seit kurzer Zeit im Tempel war. Er wollte Mönch werden, ja, aber Laub kehren wollte er nicht gerne. Überhaupt hatte er sich noch nicht an das frühe Aufstehen und am Abend zeitig zu Bett gehen gewöhnt, recht lustlos fegte er die Blätter zusammen.
Kaum war er fertig, als ein Wind die letzten Blätter der Bäume erfasste, und der Hof des Tempels wieder voller neuem Laub lag. Dann musste er wieder von vorne beginnen, die schlechte Laune wurde größer, es wurde ihm immer kälter, er arbeitete still vor sich hin. Er tröstete sich damit, dass die Bäume fast keine Blätter mehr führten, daher morgen die Arbeit sicher viel schneller von der Hand gehen würde.
Am nächsten Morgen kam er besser gelaunt auf den Hof, musste aber feststellen, dass wieder der ganze Hof voller Laub war. Wo auch immer die vielen Blätter herkamen, es sah aus wie am gestrigen Tag. Die Laune war schnell wieder verdunkelt, er fing an zu kehren.
Als der Abt des Klosters zum Morgengebet kam sah er den jungen Schüler, sofort begriff er, dass der Junge mit seinem Schicksal unzufrieden war. Er sprach zu ihm: „die Arbeit von gestern ist vergangen, die vom heutigen Tag wartet auf Dich, die Arbeit von Morgen entwickelt sich noch“.
„Jeder Tag hält neue Aufgaben für uns bereit, nie ist unser Auftrag gleich, immer kommen andere Anforderungen dazu. Wenn du ein Mönch werden willst, dann arbeite im Hier und im Jetzt, geniesse deine Herausforderungen, lasse dich nie vom Ausmaß der Arbeit abschrecken“.
„Die Arbeit, die wir leisten müssen, die geht niemals zu Ende, immer kommen neue Dinge, die es zu erledigen gibt. An dem Tag, wo es keine Herausforderungen mehr gibt, da neigt sich die gefühlte Existenz zu einem Ende. Mache deine Arbeit immer mit Achtsamkeit und mit Hingabe„.
„Die Arbeit kommt zu dir, nicht du kommst zur Arbeit“, sprach der weise Meister, und ging zum Gebet.
 
Die Stille wiederherzustellen, ist die Aufgabe von Objekten
Samuel Beckett – Irischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger – 1906 bis 1989
Das ist natürlich eine sehr schwierige Aufgabe
Oscar Wilde -Irischer Schriftsteller – 1854 bis 1900
Ich sehne mich danach, eine große und edle Aufgabe zu erfüllen, aber es ist meine Hauptaufgabe, kleine Aufgaben zu erfüllen, als ob sie groß und edel wären
Helen Keller – US-amerikanische Schriftstellerin – 1880 bis 1968
Aufgabe eines guten Hirten ist es, seine Herde zu scheren, nicht aber zu schinden
Sueton – Römischer Schriftsteller und Verwaltungsbeamter – 70 bis 126

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