Der Streisand-Effekt

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Streisand-Effekt

DeutschlandDer Jens ist ein auf sehr großem Fuß lebender Bankkaufmann, der kürzlich in Berlin für viele Millionen EURO eine unschöne Villa gekauft hatte.
Wie man so liest und hört, musste Jens nicht lange bei einer Sparkasse nach einem Kredit Ausschau halten, „man“ kennt sich schon, „man“ speist zusammen, „man“ ist befreundet. Interessant ist allerdings, dass eine Provinzsparkasse finanzierte, keine Bank aus Berlin beteiligt war.
Sparkassen wurden gegründet, um Verantwortung für „Menschen und Wirtschaft in der Heimat“ zu begründen. Sparkassen wurden nicht gegründet, um Politikern großzügige Kredite zu gewähren. Sparkassen sind in der Regel gemeinnützige öffentlich-rechtliche Universalbanken in kommunaler Trägerschaft. Seit wann ist es im Interesse der Allgemeinheit, wenn Jens in Berlin einen Kredit bekommt?
Als Bundestagsabgeordneter saß er viele Jahre im Verwaltungsrat genau dieser Sparkasse. Ein „Interessenkonflikt“ würde selbstverständlich nicht vorliegen, so gackerten die Hühner im Westmünsterland.
Nun bewegt die Deutschen nur noch eine wirklich wichtige Frage: hat die Villa einen Pool?
Das bösartige Echo aus der Öffentlichkeit betrübt Jens sehr, möchte er seine Prunksucht und seinen Reichtum doch viel lieber verbergen.
Nun geht er juristisch gegen alle vor, die seinen Prachtbau „kritisieren“. Er versuchte gerichtlich durchzusetzen, dass „man“ über seine Villa (und die undurchsichtigen Kredite und Transaktionen) nicht mehr berichten darf; er scheiterte aber so wie er immer scheitert, gründlich und mit „Haltung“.
Dass die Berichterstattung über den Villen-Kauf grundsätzlich rechtmäßig sei, entschied nun zügig ein Gericht per Einstweiliger Verfügung.
Der Streisand-Effekt besagt, dass das Interesse an der betreffenden Information und deren Verbreitung deutlich steigt, wenn offensichtlich versucht wird, unliebsame Informationen zu unterdrücken.
Den Streisand-Effekt löste für mich hier aus, dass sich die ganze Geschichte völlig undurchsichtig darstellt.
In einer wirtschaftlich so schweren Zeit ein so abgehobenes Anwesen zu erwerben ist nicht nur instinktlos, es zeigt auch viel über den Protagonisten.
Wozu braucht man solche Volksvertreter überhaupt?
Wer wählt sowas?
Wer wird der Nachfolger? Und hat dieser Nachfolger dann vielleicht auch eine entsprechende Qualifikation? Überhaupt sollte man eine umfassende Befähigung aufweisen, um einem derart sensiblen Auftrag im Interesse der Allgemeinheit würdig erfüllen zu können.
Aber ganz sicher sollte „man“ Politikern die Annahme eines Nebenjobs bei Gefängnis nicht unter 10 Jahren verbieten.
 

Jeder Irrtum hat drei Stufen: Auf der ersten wird er ins Leben gerufen, auf der zweiten will man ihn nicht eingestehen, auf der dritten macht nichts ihn ungeschehen
– Franz Grillparzer – Österreichischer Schriftsteller – 1791 bis 1872
Man erkennt den Irrtum daran, dass alle Welt ihn teilt
– Jean Giraudoux – Französischer Schriftsteller – 1882 bis 1944
Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde
– Albert Einstein – Deutscher Physiker – 1879 bis 1955
Es gibt keine reine Wahrheit, aber ebensowenig einen reinen Irrtum
– Friedrich Hebbel – Deutscher Dramatiker – 1813 bis 1863

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