Alles geht vorüber

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Alles geht vorüber

In einem buddhistischen Tempel lehrte ein großer Meister, er war bereits sehr alt, aber unglaublich weiße, er hatte viele Anhänger, die Mönche des Tempels, und auch die Menschen aus der benachbarten Stadt, respektierten ihn, als Ratgeber und als begabten Gelehrten.
In der großen Halle des Tempels hielt er Vorlesungen, organisiere Zusammenkünfte, sorgte für soziales Beisammensein, gab Ratschläge, und er lehrte dort seinen Schülern die Philosophie Buddhas, auch Meditation und Gebet.
Eine Schülerin aus der Umgebung hatte es ihm besonders angetan, sie war intelligent, interessiert und fleißig, kaum eines seiner Seminare ließ sie aus. Und er kümmerte sich besonders um sie, er förderte das junge Mädchen.
Eines Abends, nach den Meditationsübungen, sagte sie zu ihrem Meister: „Meine Meditation war schrecklich, meine Gedanken waren überall, nur nicht hier. Heute sind mir immer wieder die Augen zugefallen, jeder Knochen schmerzte vom Sitzen, ich war unkonzentriert, abgelenkt, überhaupt nicht bei der Sache. Ständig ging mein Ego mit mir durch, flüsterte mir unzusammenhängende Dinge ins Ohr, Fragen tauchten in mir auf, die Selbstbesinnung wollte nicht eintreten“.
Der Meister antworte kurz und knapp: „Schülerin, das geht vorüber“.
In der darauf folgenden Zeit waren ihre Übungen wie vorher, sie sagte nichts zu ihrem Meister, kam wieder fast jeden Tag, sie erfreute den alten Lehrer mit Freude.
Einige Monate später kamen Meister und Schülerin wieder ins Gespräch. Sie sagte ihm: „Meister, heute war meine Meditation wundervoll, inspirierend, ich war voll konzentriert, das Sitzen war mühelos, ich war nicht abgelenkt, mein Ego schwieg während der Übungen, die Atmung war leicht, hat mich überhaupt nicht belastet, ich glaube, dass ich große Fortschritte gemacht habe“.
Der Meister schaute sie nur beiläufig an, er antworte wieder kurz und knapp: „Schülerin, das geht vorüber“.
 

Das eigentlich Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit
Franz Kafka – deutschsprachiger Schriftsteller – 1883 bis 1924
 

Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen
Arthur Schopenhauer – Deutscher Philosoph- 1788 bis 1860

 
Das Los der Menschen ist nicht einfach. Schon an dem Tag, an dem wir uns z. B. verlieben, wissen wir, dass wir AUF JEDEN FALL von diesem Menschen wieder Abschied nehmen müssen, wir wissen, dass das Kind, welches gerade geboren wurde, AUF JEDEN FALL sterben wird, dass alles, einfach alles, vorübergehen wird, ausgelöscht wird. Selbst unser Planet wird eines Tages vergehen, und mit ihm die Utopie, die wir heute „unsere Welt“ nennen.
Alles geht vorüber, wir müssen diese unabänderliche Wahrheit akzeptieren.
Wäre da nicht die Lehre Buddhas, mein menschliches Los würde mich stark belasten, manchmal sogar fast erdrücken, die Tatsache, dass alles AUF JEDEN FALL vergeht, wäre ohne die buddhistische Philosophie für mich nur sehr schwer zu verarbeiten, würde unerträglich und bedrohend mein Leben überschatten.
Aus der Philosophie des Lehrers aller Lehrer zog ich erst die Kraft, und heute die Gewissheit, dass dies mich nicht beschäftigen muss, denn nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Buddha hat uns einen Ausweg aufgezeigt, er hat den Pfad zur „Erleuchtung“ für uns geebnet. Wie alle Wege ist auch diese Gasse nicht immer einfach zu bewältigen, aber am Ende steht für uns das „Erwachen“, das „torlose Tor“, durch das wir schreiten, das sich aber nicht mit Händen greifen lässt.
Wenn Sie, geschätzter Leser, diesen Text bis hier (bis zum Ende) gelesen haben, dann sind Sie jedenfalls an Buddhas Lehre interessiert, vielleicht wollen Sie sogar seinem Weg folgen? Nehmen Sie die Unternehmung mutig an, denn auch eine große Reise beginnt nur mit einem kleinen Schritt.

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