Was bringt mir ein Meister?

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Es stellt sich die Frage: „Welchen Vorteil bringt mir ein Chan-Meister, was kann er mir geben“?
Das zentrale Thema des Buddhismus ist „Erleuchtung„, die Lehre des Lehrers aller Lehrer handelt vom „Erwachen“. Sicherlich hat Buddha viele kluge Dinge gesagt und getan, wirklich besonders und einzigartig machte ihn jedoch die (Wieder-)Entdeckung der „Erleuchtung„.
Wenn wir heutzutage nach „Erleuchtung“ streben, gestaltet sich schon die Herangehensweise als sehr schwierig. Buddha hat seine Lehre nicht schriftlich hinterlassen, alle buddhistischen Texte wurden lange nach seinem Tod aufgeschrieben. Im Laufe der Jahrhunderte kamen dann verschiedene Interpretationen dazu, die Ansichten und Gebräuche der jeweiligen Länder wurden berücksichtigt, die Auffassungen änderten sich über die Jahrhunderte. Bedeutende Lehrer prägten den Buddhismus durch ihre persönlichen Ansichten, über die Jahrhunderte wurde die Philosophie Buddhas immer mehr verändert, dabei trat der Kern der Lehre (Erwachen) Buddhas immer weiter in den Hintergrund.
Betrachten wir seine Hauptaussage isoliert, könnte man zusammenfassen: „Leben ist Leiden, der Ausweg ist „Erleuchtung“, jeder Mensch kann erwachen, die „Erleuchtung“ liegt bereits in uns“!
Im modernen Leben fällt es vielen Leuten sehr schwer, dem Pfad Buddhas zu folgen, viel hat sich geändert in der Welt seit den Tagen des heiligen Mannes. Hektik, Schnelllebigkeit, Technik, Zwänge, viele Dinge haben sich seither entwickelt, nur die Probleme und Sorgen sind den Menschen geblieben, aber eben in völlig neuer Verpackung. Der Kampf um das Leben hat sich verändert, das Leben selbst ist über die Zeit nahezu unverändert geblieben. Die Fragen: Liebt er mich, betrügt sie mich, kommen wir über die Zeit, bleibe ich gesund? Diese Themen sind die Gleichen geblieben, nur die Umgebung hat sich total verändert.
Wer heute die Reise zum „Erwachen“ beginnt hat es nicht gerade leicht. Nur um sich durch die verschiedenen buddhistischen Lehren zu kämpfen braucht man viel Zeit und Geduld. Ein Chan-Meister kann anderen Menschen aber beim „Erwachen“ helfen, indem er immer wieder vom Kern der Lehre spricht, indem er die Menschen zurück zu ihrem Selbst führt, ihr Inneres offenlegt, ihnen nimmt, was ihnen fremd ist, was nutzlos und leer ihr Sein verdeckt, und auch den Blick zum eigenen „Ich“ erschwert.
Ein Lehrer führt behutsam durch die buddhistische Philosophie, er bringt die Menschen zum Nachdenken, zeigt Lösungen auf, entwickelt die Persönlichkeit der Schüler, verhilft ihnen zur Weisheit, zum Durchblick. Er vermittelt Liebe, Güte und Werte, er weist den Weg, aber gehen muss man ihn selbst.
Durch einen Lehrer hat man keine wirklichen Vorteile, er bringt uns nichts, was wir nicht selbst tun und machen könnten. Er kann die Reise nicht für andere unternehmen, er kann jedoch dabei helfen, vergleichbar mit einem Reiseleiter bei einer Pauschalreise, nichts, was man nicht auch ohne ihn könnte, er ist nicht wirklich wichtig, sein Beitrag ist gering.
Und genau deshalb ist er so wichtig!
Drei Dinge machen einen guten Meister aus: Wissen, Können und Wollen.
Wenn wir am Ende der Reise für einen kurzen, winzigen Moment Buddha treffen, dann benötigen wir auch ihn auch nicht mehr als Reiseleiter!
 
Lernen und nicht denken ist unnütz.
Denken und nicht lernen ist zwecklos.
Konfuzius – Kong Fuzi (chinesisch 孔夫子) – chinesischer Philosoph – 551 v. Chr. bis 479 v. Chr.

 
Auf seine eigene Art zu denken ist nicht selbstsüchtig. Wer nicht auf seine eigene Art denkt, denkt überhaupt nicht
– Oscar Wilde – Irischer Schriftsteller – 1854 bis 1900

 

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